Was sind die Ursachen von Lupus?

Die Pathogenese des systemischen Lupus erythematodes (SLE) ist sehr komplex¹ und bislang nicht vollständig geklärt.² Als einer der Schlüsselfaktoren wird ein Verlust der Immuntoleranz für Autoantigene des Zellkerns angenommen.²⁺¹⁰ Antinukleäre Antikörper (ANA) greifen körpereigene Zellen und Gewebe des Patienten an. Infolgedessen werden z.B. Blutgefäßwände zerstört, was wiederum zu organspezifischen Symptomen des Lupus und Organschäden führt.² Neben immunologischen Faktoren sind u. a. auch genetische, hormonelle und umweltbedingte Faktoren an der Lupus-Entstehung beteiligt.²⁺¹⁰ In dieser Kurzfortbildung finden Sie die Pathogenese des SLE von Herrn Professor Martin Aringer anschaulich erklärt (nur für medizinische Fachkreise zugänglich).  

Icon Erläuterung Lupus SLE
Grafik Lupuswissen SLE-Manifestation

Welche Faktoren u. a. ursächlich an der Entstehung von SLE beteiligt sein können und wie diese zusammenhängen, erfahren Sie hier:

  • Erbliche Veranlagung und Umweltfaktoren²⁺³⁺⁵

    DNA

    Der SLE ist keine klassische Erbkrankheit, also nicht alleine auf die Genetik zurückzuführen.³ Menschen, deren Geschwister an SLE erkrankt sind, entwickeln etwa 30x häufiger einen SLE als solche, ohne einen erkrankten Geschwisterteil.²

  • Hormone⁵⁺⁶⁺⁷

    Hormone

    Hoch dosierte Östrogene,⁵⁺⁶⁺⁷ vor allem aber erhöhtes Prolaktin (das Hormon der Stillphase), können möglicherweise die Aktivität der Lupus-Erkrankung begünstigen.⁶⁺⁷

  • Sonnenlicht / UV-Licht⁵

    Sonne

    Sonneneinstrahlung / UV-Licht zerstört Hautzellen wodurch Zellkernbausteine freigesetzt werden, gegen die sich die Autoimmunreaktion richtet. Auch Wochen nach der Exposition kann es zu einer Verstärkung der Symptome eines bestehenden Lupus, also zu Krankheitsschüben kommen, wodurch Schäden in den beteiligten Organen ausgelöst werden können.⁵

  • Stress⁶

    Stress

    Körperliche und seelische Überlastung können sich direkt auf das Immunsystem auswirken und die Symptome verschlimmern.⁵

  • Infektionen⁵⁺⁶

    Infektion

    z. B. mit dem Ebstein-Barr-Virus (EBV), dem Erreger des Pfeifferschen Drüsenfiebers.⁹

  • Sonderform: Medikamentös-bedingter Lupus³⁺⁶

    Medikamente

    Bestimmte Medikamente können einen Lupus erythematodes auslösen. Die Erkrankung verläuft milder und meist sind nur Haut und Gelenke betroffen. Nach Absetzen der Medikamente verschwinden die Beschwerden.³

Wie hängen die Faktoren zusammen?

Liegt eine genetische Veranlagung für einen SLE vor, so kann die Erkrankung durch das Zusammenspiel aus verschiedenen Stressfaktoren mit epigenetischen Mechanismen, unter Einfluss des angeborenen Immunsystems ausgelöst werden. Den Ausschlag dafür, dass das Immunsystem anfängt gegen den eigenen Körper zu arbeiten, geben insbesondere Clearance-Defekte von Immunkomplexen und apoptotischem Material, die Hochregulation von Typ-I-Interferon und eine gesteigerte NETose (Sonderform des Zelltodes, der bei neutrophilen Granulozyten eintritt).¹ 
Infolge dieser Veränderungen kommt es zu einer Hyperaktivität der B-Zellen und nachfolgend zur Bildung vieler unterschiedlicher Autoantikörper, die u. a. gegen nukleäre Antigene gerichtet sind (antinukleäre Antikörper). Diese Autoantikörper sind die Ursache für die Entstehung einer Vielzahl an Organbeteiligungen. Verstärkt werden diese Effekte durch die Beteiligung von Effektor-T-Zellen, zusätzlichen Entzündungszellen und Cytokinen.¹

  • Quellen

    1. Alexander T, Radbruch A, Hiepe F. [Pathogenesis of systemic lupus erythematosus]. Z Rheumatol. 2015; 74(3):183-90.
    2. Tokarska K, et al. Immunometabolic disorders in the pathogenesis of systemic lupus erythematosus. Postepy Dermatol Alergol. 2019; 36(5):513-518.
    3. Bertsias G, Cervera R, Boumpas DT. Systemic lupus erythematosus: pathogenesis and clinical features. In: EULAR Textbook on Rheumatic Diseases. 2012:476-505. Online verfügbar unter: http://www.eular.org/myUploadData/files/sample%20chapter20_mod%2017.pdf. Letzter Aufruf: 20.01.2020.
    4. Schreiber J, Eisenberger U, de Groot K. Lupusnephritis. Internist 2019. 60:468-477.
    5. Mok CC, Lau CS. Pathogenesis of systemic lupus erythematosus. J Clin Pathol. 2003; 56(7):481-90.
    6. Pravda J. Systemic Lupus Erythematosus: Pathogenesis at the Functional Limit of Redox Homeostasis. Oxid Med Cell Longev. 2019; 2019:1651724.
    7. Anderson PO. Drugs for Lupus While Breastfeeding. Breastfeed Med. 2019; 14(10):688-690.
    8. Song GG, Lee YH. Circulating prolactin level in systemic lupus erythematosus and its correlation with disease activity: a meta-analysis. Lupus. 2017; 26(12):1260-1268.
    9. Jog NR, et al. Association of Epstein-Barr virus serological reactivation with transitioning to systemic lupus erythematosus in at-risk individuals. Ann Rheum Dis. 2019; 78(9):1235-1241.
    10. Schreiber J, Eisenberger U, de Groot K. Lupusnephritis. Internist 2019. 60:468-477.

NP-DE-LPU-WCNT-200002 05.2020