Welche Behandlungs-Möglichkeiten gibt es?

Jeder Patient hat seinen eigenen Lupus. Die variablen Symptome, Erkrankungsverläufe und Organbeteiligungen erfordern eine patientenindividuelle und flexible Behandlung.¹⁺² Hier finden Sie Basisinformationen rund um die Therapieoptionen für den systemischen Lupus erythematodes (SLE).

Icon Diagnostik Lupus erythematodes
Grafik Lupus erythematodes Therapie

Behandlungsziel: Langfristige und bestmögliche Beruhigung der Krankheitsaktivität

Da SLE derzeit nicht heilbar ist,¹ stellt das Erreichen einer kompletten Remission oder, falls dies nicht gelingt, die langfristige und bestmögliche Beruhigung der Krankheitsaktivität das wichtigste Therapieziel dar.² Denn Erkrankungsaktivität ist bei SLE immer mit einer Entzündung verbunden, die dauerhaft zusammen mit erhöhtem Steroidverbrauch zur Entstehung von Organschäden und erhöhter Mortalität führt.³
 

Die Therapieoptionen im Überblick

Heutzutage gibt es sehr gute Behandlungsmöglichkeiten für den SLE, die oft ein weitgehend normales Leben ermöglichen.²⁺⁴⁺⁵ Unterschieden wird dabei in allgemeine Basismaßnahmen und konkrete SLE-Therapien.²⁺⁵

  • Allgemeine Basismaßnahmen

    Alle SLE-Patienten mit UV-Sensitivität sollten Sonnenexposition meiden und Lichtschutzcreme (LSF 70) verwenden. Zum Knochenschutz sollten 20.000 U/Woche Vitamin D genommen werden. Auf einen guten Impfschutz durch Standardimpfungen, sowie Influenza- und Pneumokokken-Impfungen sollte geachtet werden und Risikofaktoren wie z. B. Arteriosklerose sollten regelmäßig kontrolliert werden.⁵ Darüber hinaus können bei der Therapie folgende medikamentöse Optionen zum Einsatz kommen:

    Infobox Pneumokokken- und Grippe-Impfungen für SLE-Patienten
  • Anti-Malaria-Mittel

    Zur Basistherapie des SLE gehört die Gabe eines Anti-Malaria-Mittels, meist mit dem Wirkstoff Hydroxychloroquin. Diese haben einen nachgewiesenen positiven Effekt auf den Krankheitsverlauf. Daher wird empfohlen, dass jeder SLE-Patient damit behandelt werden sollte, der diese Mittel verträgt.²

  • Glukokortikoide

    Die Gabe von Glukokortikoiden kann zunächst zu einer schnellen Verbesserung der Symptome führen. Allerdings steigt bei längerfristiger Anwendung das Nebenwirkungsrisiko, u. a. für irreversible Organschäden. Daher werden Glukokortikoide nur bei Schüben hochdosiert gegeben, dann schrittweise reduziert und sofern möglich ganz abgesetzt. Generell sollen Glukokortikoide nur in niedriger Dosierung von unter 7,5 mg pro Tag über längere Zeit eingesetzt werden.¹⁺²

  • Biologika

    Wenn trotz Basismedikation weiterhin eine hohe Krankheitsaktivität besteht oder diese nicht vertragen wird, können auch Biologika, also biotechnologisch hergestellte Antikörper eingesetzt werden.²⁺⁶ Diese haben schon die Behandlungsmöglichkeiten bei anderen rheumatischen Erkrankungen (z. B. rheumatoide Arthritis) deutlich erweitert. Biologika schalten einzelne Komponenten des Immunsystems gezielt aus und können die Zahl der SLE-Schübe und den Bedarf an Glukokortikoiden vermindern.⁶

  • Immunsuppressiva

    Immunsuppressiva (z. B. Azathioprin, Methotrexat) reduzieren die Aktivität des Immunsystems unspezifisch und hemmen so dessen Reaktion gegen körpereigene Gewebe. Sie können bei schweren Verläufen als Langzeittherapie eingesetzt werden.¹⁺²

  • Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR)

    NSAR wirken entzündungshemmend und somit schmerzlindernd.⁴ Sie werden bei milderem Verlauf als symptomatische Therapie eingesetzt, nicht aber zur Therapie von Patienten mit lebenswichtiger Organbeteiligung.¹

  • Andere Medikamente

    Je nach Organbeteiligung und Begleiterkrankung werden weitere Medikamente eingesetzt. So wird beispielsweise die Niere durch Blutdrucksenker¹ geschützt. 

Auf die richtige Balance kommt es an

In welcher Dosis und Kombination Medikamente eingesetzt werden, ist eine individuelle und vom Verlauf der Krankheit abhängige Entscheidung, die viel Erfahrung erfordert.¹⁺² Welche Therapie für welchen Patienten zu welchem Zeitpunkt die beste ist, richtet sich u. a. nach:²

  • dem Schweregrad der Erkrankung
  • der SLE-Aktivität, da sich die optimale Therapie von Schub zu Schub unterscheiden kann
  • der Organbeteiligung
  • individuellen Komorbiditäten
  • der Therapieadhärenz des Patienten oder der Patientin

Das SLE-Patienten-Management gleicht einem Balance-Akt, bei dem Vorteile und Risiken der Therapieoptionen miteinander abgewogen werden müssen. Neben möglichen Nebenwirkungen und Komplikationen, die sich aus der Behandlung ergeben können, spielen auch patientenindividuelle Faktoren eine wichtige Rolle bei dieser Abwägung.⁷ Gerade in frühen Erkrankungsstadien fällt es vielen Patienten schwer, zu akzeptieren, dass sie eine chronische Erkrankung haben, die eine lebenslange Therapie erfordert.⁸ Umso wichtiger ist es, die zur Wahl stehenden Therapieoptionen ausführlich mit dem Patienten zu besprechen.⁴⁺⁸

  • Quellen

    1. AMBOSS – Fachwissen für Mediziner. Systemischer Lupus erythematodes. Online verfügbar unter https://www.amboss.com/de/wissen/Systemischer_Lupus_erythematodes. Letzter Aufruf: 24.01.2020.
    2. Fanouriakis A, et al. 2019 update of the EULAR recommendations for the management of systemic lupus erythematosus. Ann Rheum Dis. 2019; 78(6):736-45.
    3. Doria A, et al. Optimizing outcome in SLE: treating-to-target and definition of treatment goals. Autoimmunity Reviews 2014; 13:770-77.
    4. American College of Rheumatology (ACR). Patient Fact Sheet Lupus. Updated March 2019. Online verfügbar unter: www.rheumatology.org/I-Am-A/Patient-Caregiver/Diseases-Conditions/Lupus. Letzter Aufruf: 20.01.2020.
    5. Aringer und Schneider. Management des systemischen Lupus erythematodes. Internist 2016; 57:1052-1059
    6. Magro R. Biological therapies and their clinical impact in the treatment of systemic lupus erythematosus. Ther Adv Musculoskelet Dis. 2019; 11:1759720X19874309.
    7. Levy DM, Kamphuis S. Systemic lupus erythematosus in children and adolescents. Pediatr Clin North Am. 2012; 59(2):345-64.
    8. Gergianaki I, Bertsias G. Systemic Lupus Erythematosus in Primary Care: An Update and Practical Messages for the General Practitioner. Front Med (Lausanne). 2018; 5:161.

NP-DE-LPU-WCNT-200005 05.2020